"Wir müssen zusammenhalten"

60 Fachkräfte aus 53 Kommunen beim "gerne anders!"- Fachtag
"Geschlechtliche & sexuelle Vielfalt in der Jugendhilfe"

dp. Fachlich, praktisch, politisch und humorvoll war auch diesmal der jährliche „gerne anders!“ Fachtag. Seit 2013 steigen die Anmeldungen und auch wenn die Räume größer werden, gab es auch 2017 eine lange Warteliste. Mit der Stadt Köln und unterstützt durch zahlreiche Projekte aus Jugendarbeit und Geflüchtetenhilfe legte „gerne anders!“ den diesjährigen Schwerpunkt auf die Zusammenhänge von wachsenden Feindlichkeiten gegen LSBT* und Geflüchteten.

Prof. Dr. Melanie Groß belegte in ihrem Referat den aktuellen Aufschwung rechter Tendenzen, die sich gegen sexuelle und kulturelle Vielfalt richten. Sie machte deutlich, dass diese zwar nicht neu sind, es aber gerade jetzt dringend geboten ist gemeinsam für Vielfalt einzustehen. Die Jugendhilfe kann und muss hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Prof. Dr. Katja Nowacki beschäftigte sich mit der besonderen Lebenssituation von jungen LSBT*Geflüchteten. An Beispielen aus ihrer Arbeit mit Einrichtungen der Jugendhilfe machte sie auf „blinde Flecken“ aufmerksam und stellte die Notwendigkeit heraus, neben besonderen Schutzräumen auch die Sensibilität in allgemeinen Strukturen zu erhöhen.

Diesen Forderungen schlossen sich junge Geflüchtete aus der LSBT*Jugendarbeit an. Sie berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen in Deutschland. Es fehlt an Schutzräumen. Es fehlt aber auch an Sensibilität für die besondere Situation von jungen Menschen, die nicht nur häufig allein in ein fremdes Land mit unbekannten Erwartungen kommen, sondern zugleich erleben, dass sie sich einerseits als LSBT* z.B. in Sammelunterkünften weiterhin verstecken müssen, anderseits aber von deutscher Seite aus von ihnen erwartet wird, sich offen zu ihrer sexuellen Identität zu äußern. Sie wünschen sich, als LSBT* endlich frei leben zu können, hierfür benötigen sie aber mehr Unterstützung und Sensibilität.



 

Politische Unterstützung gab es durch die engagierten Grußworte von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Minister Dr. Joachim Stamp sowie die Jugendpolitiker_innen der Landtagsfraktionen von CDU, FDP, Grünen und SPD Josefine Paul, Regina Kopp-Herr, Alexander Brockmeier und Jens Kamieth beim anschließenden Podiumsgespräch. Alle machten deutlich, dass sie sich engagiert für eine vielfältige Gesellschaft ohne Homo-, Trans*- und Fremdenfeindlichkeit einsetzen und vor allem auch die Jugendarbeit darin unterstützen, junge LSBT* mit und ohne Fluchtgeschichte zu begleiten.


Gelegenheiten zu Vertiefung und Vernetzung boten Fachforen sowie der Markt der Möglichkeiten, bei dem Initiativen der LSBT*Jugendarbeit und der Geflüchtetenhilfe ihre Arbeit vorstellten. Für einen reibungslosen Ablauf sorgten engagierte Ehrenamtliche und Lilo Wanders mit ihrer humorvollen Moderation. Zur Erinnerung, und vor allem für alle, die nicht teilnehmen konnten gibt es bald eine umfangreiche Videodokumentation auf www.gerne-anders.de